Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin,
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt,
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr gold'nes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar,
Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewalt'ge Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe,
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh'.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn,
Und das hat mit ihrem Singen,
Die Loreley getan.

(Heinrich Heine)

Meerjungfrauen gibt es doch! Ein (Mädchen) Traum wird wahr …

Wie ich Anna kennenlernte …
Auf Facebook schrieb mich eines Tages die Anna an. Anna ist Studentin und nebenher Fotografin und Cosplayerin. Ihr gefiel mein Elfenfoto, dass ich in einer Cosplaygruppe gepostet hatte und sie fragte einfach so, ob ich nicht Lust auf ein gemeinsames Projekt hätte. Ja klar, warum auch nicht. Ich probiere auch noch gerne aus, suche daher immer wieder neue Leute, die meine Ideen unterstützen.

Aber ich brauchte nicht viel zu sagen. Beim ersten Treffen sprudelte es schon aus ihr heraus, dass sie zu gerne mal ein Wikinger Shooting machen würde und wie man das umsetzten könnte. „Ich kenne da wen, der könnte einen Wikinger spielen!“, sagte ich. „Ich kenne da wen, die könnte eine Walküre darstellen!“, kam ihre Antwort. „Und ich kenne da wen, der mit Sicherheit totale Lust hat, die Kostüme zu schneidern.“
Kurz um, nach 3 Stunden war ein Grobes Wikinger Shooting geplant und angedacht für das nächste Jahr.

Meerjungfrauen aufgepasst…
2 Tage später erhielt ich wieder eine Mail von Anna: „Hey, Lust auf ein Meerjungfrauen Shooting diesen Sommer? Ich würde gerne etwas Kleines zwischendurch machen.“
Ach klar, so ein kleines Meerjungfrauen Shooting klingt doch echt interessant. Kurz darauf war ein Text verfasst, um eine Meerjungfrau über Facebook zu finden. Nie hätte ich gedacht, dass so viele Mädchen darauf reagieren und mitmachen wollten. Und es war sogar ein Meermann dazwischen.
Es war wirklich nicht leicht auszuwählen. Mittlerweile wuchs unser „kleines“ Shooting zu einer Dreierkonstellation heran: 2 Mädels und 1 junger Mann! Woah war das aufregend! Jetzt galt es erst mal einen Termin zu finden, an dem wir alle Fünf Zeit hätten.

Die allgemeine Meinung von Künstlern ist ja, dass wir nur zu Hause herumsitzen und nichts tun und ab und zu mal arbeiten gehen (kein Scherz, das hat man mir schon selbst erzählt). Komisch nur, dass es so schwierig war, im Zeitraum eines Monats, 2 Termine zu finden, an denen jeder kann. (Der 2. Termin war ein Ersatztermin, dazu komme ich noch später)

Nächster Punkt auf der Tagesliste: Sponsoren finden!
Ich kam mir immer ein wenig blöd vor, Sponsoren für irgendeines meiner Projekte zu finden. Ich dachte immer, ich bin doch noch nicht so groß, dass jemand mich gerne sponsern würde. Und so kann man sich täuschen. Wir hatten eine hübsche Meerjungfrau die eine Flosse brauchte. Denn ehrlich gesagt kauft es uns doch niemand ab, dass es die wirklich gibt, wenn nicht eine ihre Flosse vor die Linse hält.

Durch google kamen wir auf Magictail! Wir staunten nicht schlecht, was es für Flossen gab, in allen Farben und Variationen und die sahen wirklich aus wie eine zweite Haut. Eine spontane Anfrage für ein bestimmtes Modell war schnell verfasst. Doch das Herz pochte schon ein wenig, als ich die Antwort auf meine E-Mail öffnete. Magictail war wirklich bereit uns nicht nur eine, sonder DIE Flosse zu sponsern, die wir wirklich haben wollten. Waaahh was für ein tolles Gefühl. Der erste Sponsor sitzt mit im Boot!

Anna schrieb derweil Maskworld an, einen Internetshop für Kostüme, Make-up und Zubehör. Die würden uns tatsächlich Kontaktlinsen geben. Ich konnte es echt nicht fassen! Wie geil war das denn!

Andere Sponsoren waren auch schnell gefunden für Muscheln, Fischernetze, Nagellack und Haarkreide. Freunde und Verwandte halfen mit, dieses Projekt ohne hohe Eigeninvestition möglich zu machen.

Basteln oder creative Artwork ….
Natürlich brauchen Meerjungfrauen auch obenrum etwas zum Anziehen. Und natürlich braucht eine Seehexe eine Stachelkrone, die kleine Meerjungfrau eine Muschelkrone und der Meermann einen Dreizack! Halloho, wir wollten das hier so authentisch wie möglich rüber bringen!

Während Anna sich mit dem Dreizack und der Stachelkrone beschäftigte, widmete ich mich dem Problem BH. Ich erinnerte mich zurück an eine Musicalgala, in der auch Meerjungfrauen eine Rolle spielten. Recht schnell stand fest, wie das BH-Problem zu lösen wäre. Drauf gingen viele Arbeitsstunden, in denen Muscheln mit Nagellack und Heißkleber bearbeitet wurden. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich immer wieder unterbrechen musste, da ich drohte vom ganzen Aceton „high“ zu werden (wer braucht schon so etwas wie eine Atemmaske). Aber die „Schnüffelei“ und die Kopfschmerzen danach, haben sich gelohnt. Als ich das Endergebnis sah, war ich doch etwas stolz. Eigentlich wollte ich die BHs lieber selbst tragen.

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Anna schickte mir zwischendurch mal ein Foto vom Dreizack. Ich möchte ja nicht angeben, aber Tritons Seegabel ist nichts dagegen 😛

Can we fix this! Yes we can!
Der Termin rückte immer näher und damit die ersten Probleme. Wir hatten versucht eine zweite Flosse über eine professionelle Stuntmeerjungfrau (ja so was gibt es) auszuleihen. Aber es scheiterte leider daran, dass der Ersatzpostbote wieder einmal zu blöd oder zu faul war, die Adresse zu suchen und unser Päckchen zurückgehen ließ. Unser normaler, toller Postbote war leider im Urlaub. Bei ihm kommen die Päckchen komischerweise immer an.

Und hier kommt der Ersatztermin ins Spiel, den man immer für ein Outdoorshooting haben sollte. Am Morgen selbst sprachen Anna und ich noch, was wir machen sollten. Natürlich war es blöd das Shooting zu verschieben, aber was sollten wir denn machen ohne zweite Flosse? Außerdem waren für den Tag Unwetter am Nachmittag gemeldet. Im Grunde genommen schien den ganzen Tag die Sonne, aber auch so ein Wetterfrosch kann da mal was verwechseln 😉

Ok, also beschlossen wir den Ersatztermin zu nehmen. 2 Tage vor dem besagten Termin meldete sich die Seehexe krank. Sie hatte Halsschmerzen und konnte kaum sprechen. Daher wäre es eine dumme Idee gewesen, sie ins Wasser zu stecken. Sie hoffte zwar noch, sie würde bis dato wieder fitter sein, aber selbst dann würde ich es nicht riskieren wollen, jemanden mit einer Erkältung oder Ähnlichem, ins evtl. etwas kalte Wasser zu stecken.

Ok, ok ganz ruhig … wir suchen jetzt erst mal Ersatz. Alle meine Freundinnen, die mir spontan in den Sinn kamen, waren entweder im Urlaub, oder hatten nicht den ganzen Tag Zeit. Doch Anna beförderte unsere angedachte Assistentin für das Shooting einfach zur neuen Seehexe und das Problem war gelöst.

Einen Tag vorher schaute Anna noch mal nach unserer Location am Rhein. Eine ruhige Ecke mit Gestrüpp, wo man ins Wasser gehen konnte. Dadurch, dass es die letzten 2 Tage von Regen geprägt gewesen waren, war unsere Location natürlich leicht überschwemmt und schön matschig. Mies!
Doch hier kam Annas Freundin, unsere kleine Meerjungfrau ins Spiel. Ihre Familie hat ein kleines Haus am See. Dort könnten wir alles in Ruhe vorbereiten und dann bräuchten wir auch nur ein paar Schritte zum See hinunter laufen. Weder Anna noch ich kannten die Location, es war also ein Risiko, gleichzeitig aber auch unsere einzige Chance.

Am Tag des Shootings selber schrieb mir unser Meermann früh morgens, es würde ihm nicht gut gehen und er würde das nicht packen. Die Krankheit schien uns echt einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen. Halloho Du da oben! Du kannst uns auch einfach eine Nachricht in Schriftform schicken, wenn Du meinst, es wäre eine blöde Idee dieses Shooting zu machen!
Panik? Keine Spur! Ich war ja schon abgehärtet und bin immer noch der Meinung, wenn es den Anschein hat, dass es nicht sein soll, dann erst recht! Ich informierte Anna. Wir nahmen es also so hin und sagten uns, dass wir immer noch die zwei Mädchen hätten.
Ach ja, wie man schon vorher gelesen hat, die Flosse für die Seehexe war natürlich nicht da. Übrigens war das auch der Tag, an dem ich die Intelligenz unseres Ersatzpostboten anzweifelte.

Und es kam anders, als es sollte und ward noch besser!
Als ich an der Location ankam, war ich ehrlich gesagt etwas überrascht. Ein Hoch auf Anna und ihr Organisationstalent! Sie kam tatsächlich mit einem Meermann im Gepäck zum Set. Ich muss eben mal erklären, was für eine steile Karriere man vor sich hat, wenn man Teil unseres Teams ist und wie schnell so eine Beförderung gehen kann:
2 Tage vorm Shooting: Alex, unsere Assistentin wird zur Meerhexe befördert.
Pan, der Freund von Alex, rückt als Assistent nach.
1 Tag vorm Shooting: Saskia, unsere kleine Meerjungfrau wird zusätzlich Locationsscout.
Am Tag des Shootings: Pan, der ehemalige Assistent, wir zum Meermann befördert.

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Zusätzliche Assistenz bekamen wir von Annas Eltern. Der Vater bediente die Nebelmasche (oh ja, wir hatten eine NEBELMASCHINE!), die Mutter hielt den Reflektor.

Zurück zum Set: Anna tauchte tatsächlich mit drei Models auf, und ich war etwas perplex, habe mich aber sehr gefreut.
Die Vorbereitungen liefen wie folgt ab:
1) Saskia lud uns ins Haus ein und ihr erster Satz war „Ich schmeiß uns jetzt erst mal ’ne Pizza in den Ofen!“
2) Alex kämpfte mit den weißen Kontaktlinsen und wir beschlossen nur eine davon zu nehmen, weil das Einsetzen der Linsen sie plötzlich erblinden lies. Ein Nachteil von weißen Linsen, den wir vorher nicht bedacht hatten. Passt zwar gut zu unserer blinden Meerhexe, die sie verkörperte, aber dennoch fanden wir es etwas gefährlich und unangenehm, sie ganz im Dunkeln tappen zu lassen. Ähm mit blind meine ich jetzt nicht, dass sie wirklich blind geworden ist! Die Kontaktlinsen waren einfach nur so gut, dass sie das komplette Augenlicht ausblendeten. Das war natürlich der Wahnsinn, weil es einfach so echt aussah!
3) Die Kontaktlinsen sind drin, also geht es ans Make-up. Zugegeben ich brauchte für alles etwas länger als geplant, da ich umdenken musste und mich spontan doch für andere Farben entschied. Aber zu meinem Glück waren die Mädchen sehr glücklich mit ihrem Aussehen.
4) Während Anna mit den Mädchen und den Muschel BHs kämpfte (die sehen toll aus, aber die an einem Platz zu fixieren, war schon eine höhere Kunst), klebte ich Pan noch ein paar Muscheln ins Gesicht.

Ich muss ehrlich sagen, unsere Location war der Hammer. Erst einmal, dass wir den Luxus hatten, uns im Haus, weg von neugierigen Blicken, in Ruhe vorbereiten zu können, und dann der See selbst … atemberaubend. Er war einfach perfekt mit einem Baum, der schon halb im Wasser hing und dicken Ästen und Blätterdickicht, dass man zur geheimnisvollen Verschleierung nutzen konnte. Natürlich waren wir der Höhepunkt und die Leute haben nicht nur geguckt, sondern auch ein paar Handyfotos gemacht. Das fand ich ja irgendwie süß und das zeigt mal wieder, dass wir gute Arbeit geleistet haben.
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Es war alles in allem ein sehr anstrengender aber auch sehr schöner Tag! Noch mal einen Riesen Dank an unsere Sponsoren! Ohne Euch wäre es längst nicht so toll geworden, wie gehofft!

  1. Magictail – Saskielles Flosse  Homepage   Facebook
  2. Maskworld – Kontaktlinsen für Alersula und Panseidon Homepage    Facebook
  3. Matlens – Kontaktlinsen für Saskielle Homepage   Facebook
  4. Reisebüro Maxireisen – Fischernetze & Muscheln Maxi Reisen
  5. Sabrina Reichart – Unmengen von Nagellack
  6. Vera Domik – Haarkreide
  7. Claudia Kroll – Fischernetz & Ohrringe
  8. Carolin Stober – Babymuscheln

Ebenso unsere wunderschönen Meereswesen und Anna Superheldinfotografin!

Foto: Anna Henatsch Anna Henatsch Photography
Models: Saskielle Bittersweet Cookie Cosplay
Alersula Pancake Cosplay
Panseidon Zaikoor Art
PS: Die schönsten Bilder unserer Meerjungfrauen findest du in der Galerie